Zuletzt aktualisiert: 27.07.2026
Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon und entsteht überwiegend in den Leydig-Zellen der Hoden. Ausgangsstoff ist Cholesterin, das über eine Enzymkaskade in mehreren Schritten zu Testosteron umgebaut wird. Gesteuert wird der Prozess durch die HPG-Achse, insbesondere durch das luteinisierende Hormon LH aus der Hypophyse. Als biochemische Kofaktoren spielen die Spurenelemente Zink und Selen eine wissenschaftlich anerkannte Rolle, für die die EU-Kommission wörtlich definierte Health Claims zugelassen hat. Der Artikel richtet sich an gesunde erwachsene Männer, die die Produktions-Ebene des freien Testosterons rund um LH-Steuerung und Kofaktoren-Ernährung sachlich einordnen wollen.
Wie entsteht Testosteron im Körper des Mannes?
Testosteron entsteht überwiegend in den Leydig-Zellen der Hoden aus Cholesterin und wird von dort in den Blutkreislauf abgegeben. Ein gesunder erwachsener Mann bildet laut dem endokrinologischen Fachtext Endotext: Endocrinology of the Testis and Spermatogenesis täglich etwa 6 bis 7 Milligramm Testosteron. Der Prozess folgt einer Enzymkaskade, die vom Ausgangsstoff Cholesterin über die Zwischenstufen Pregnenolon und Androstendion zum fertigen Steroidhormon Testosteron führt. Eine kleine Restmenge bildet die Nebennierenrinde. Die Bildung wird von einem Regelsystem gesteuert, das Hypothalamus, Hypophyse und Hoden verbindet.
Wo wird Testosteron gebildet? Die Rolle der Leydig-Zellen
Testosteron wird zu über 95 Prozent in den Leydig-Zellen (interstitielle Zwischenzellen der Hoden) gebildet, die restlichen rund 5 Prozent entstehen in der Nebennierenrinde. Ein 2018 in "Biology of Reproduction" publizierter Review beschreibt die Leydig-Zellen als jene interstitiellen Hodenzellen, in denen der weit überwiegende Anteil des zirkulierenden Testosterons unter LH-Steuerung gebildet wird (Leydig cells: formation, function, and regulation). Die Testes eines erwachsenen Mannes enthalten rund 500 Millionen dieser Zellen. Das Merck Manual Professional Edition ordnet die männliche Testosteronbildung überwiegend den Leydig-Zellen zu und benennt die Nebennierenrinde als Ort einer geringen zusätzlichen Androgensynthese.
Die Enzymkaskade der Testosteronbildung verläuft in fünf Kernschritten:
Cholesterin-Import: Das StAR-Protein (Steroidogenic Acute Regulatory Protein) transportiert Cholesterin in die innere Mitochondrienmembran. Diese Etappe ist geschwindigkeitsbestimmend für die gesamte Steroidhormonsynthese (StAR Search Review 2007).
Cholesterin zu Pregnenolon: Das mitochondriale Enzym CYP11A1 (Cholesterin-Seitenketten-Spaltungsenzym) katalysiert die Umwandlung von Cholesterin zu Pregnenolon (CYP11A1 Review 2017).
Pregnenolon zu DHEA: Weitere P450-Enzyme wandeln Pregnenolon zu Dehydroepiandrosteron (DHEA) und Androstendion um.
Umwandlung zu Testosteron: Die 17-beta-Hydroxysteroid-Dehydrogenase (17-beta-HSD) katalysiert den letzten Schritt zum aktiven Testosteron (Steroidogenesis-Übersicht MetwareBio 2024).
Freisetzung: Das fertige Testosteron diffundiert aus der Leydig-Zelle ins Blut. Eine deutschsprachige Übersicht der Enzymkaskade findet sich im Fachartikel Steroidhormon-Stoffwechsel (Wikibooks).
Wie steuert das Hormon LH die Testosteronproduktion?
LH (luteinisierendes Hormon) aus der Hypophyse triggert die Testosteronproduktion in den Leydig-Zellen, indem es an spezifische LH-Rezeptoren an deren Oberfläche bindet und die Enzymkaskade in Gang setzt. Das übergeordnete Regelsystem wird HPG-Achse (hypothalamisch-hypophysär-gonadale Achse) genannt und ist im NCBI-Buchkapitel The Hypothalamic-Pituitary-Gonadal Axis als geschlossenes Regelsystem beschrieben, in dem Testosteron über negative Rückkopplung auf Hypothalamus und Hypophyse wirkt. Der Hypothalamus setzt GnRH (Gonadotropin-releasing Hormon) in pulsatilen Stößen frei, die Hypophyse antwortet darauf mit einer ebenfalls pulsatilen LH-Ausschüttung. Die medizinische Lehrplattform TeachMePhysiology beschreibt LH als Steuersignal, das an spezifische Rezeptoren auf Leydig-Zellen bindet und dort die Testosteronsynthese auslöst.
Die LH- und Testosteron-Ausschüttung folgt einem klaren Tagesrhythmus: Der Peak liegt beim jungen Mann in den frühen Morgenstunden gegen 08:00 Uhr, im Verlauf des Tages sinken beide Werte. Eine 1991 im Journal of Andrology publizierte Studie zeigt, dass der morgendliche Testosteron-Peak beim jungen Mann klar ausgeprägt ist, im Alter dagegen abflacht (Diurnal rhythm of testosterone and LH). Die pulsatile GnRH-Freisetzung wird laut einem 2024 im Journal "Endocrinology" publizierten Review von den sogenannten KNDy-Neuronen im Nucleus arcuatus des Hypothalamus generiert (KNDy Neurons Review 2024). Das Endotext-Kapitel Physiology of GnRH and Gonadotrophin Secretion erklärt zudem den mechanistischen Zusammenhang zwischen GnRH-Pulsfrequenz und Testosteronbildung.
Welche Nährstoffe wirken als Kofaktoren der Testosteronbildung?
Zink und Selen wirken als biochemische Kofaktoren im Zusammenhang mit Testosteron und Spermatogenese, wobei die EU für beide Spurenelemente wörtliche Health Claims zugelassen hat. Zink ist an über 200 enzymatischen Reaktionen beteiligt, darunter Enzyme der Steroidsynthese. Die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 führt Zink mit dem wörtlich zugelassenen Health Claim "trägt zur Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut bei" auf. Diese Formulierung basiert auf der wissenschaftlichen Bewertung der EFSA aus dem Jahr 2010, die den Zusammenhang zwischen Zink-Zufuhr und der Aufrechterhaltung normaler Serum-Testosteron-Konzentrationen positiv bewertete (Claim-ID 301, EFSA Opinion Zink). Der EU-Referenzwert (NRV) für Zink beträgt 10 mg pro Tag.
Selen ist Bestandteil von rund 25 sogenannten Selenoproteinen und für die Bildung reifer Spermien notwendig. Für Selen ist in der bereits genannten Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Claim "trägt zur normalen Spermatogenese bei" zugelassen. Die zugrundeliegende EFSA Scientific Opinion hat den Zusammenhang wissenschaftlich als hinreichend belegt eingestuft. Der konsolidierte Wortlaut ist im EU Register on nutrition and health claims hinterlegt; das BVL verweist als deutsche Behörde auf VO (EG) Nr. 1924/2006 sowie VO (EU) Nr. 432/2012. Der EU-Referenzwert für Selen beträgt 55 Mikrogramm pro Tag.
Die deutschen Fachgesellschaften empfehlen an vielen Stellen leicht abweichende Werte gegenüber dem EU-Referenzwert:
| Nährstoff | EU-Referenzwert (NRV) | DGE-Empfehlung Männer | BfR-Höchstmenge in NEM |
|---|---|---|---|
| Zink | 10 mg/Tag | 11 mg (niedrige Phytat-Zufuhr), 14 mg (moderat), 16 mg (hoch) | 6,5 mg/Tagesdosis |
| Selen | 55 µg/Tag | 70 µg/Tag | 40 µg/Tagesdosis |
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt einen Zinkbedarf erwachsener Männer von 11 bis 16 Milligramm pro Tag je nach Phytat-Aufnahme (DGE FAQ Zink); die zugrundeliegende Systematik wurde von der EFSA in ihrer Scientific Opinion on Dietary Reference Values for zinc abgeleitet. Die tägliche Selen-Zufuhr für erwachsene Männer wird von der DGE mit 70 Mikrogramm angegeben. Für Nahrungsergänzungsmittel schlägt das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Zink-Höchstmenge von 6,5 Milligramm pro Tagesdosis vor. Für Selen reduzierte das BfR die empfohlene Höchstmenge 2023 auf 40 Mikrogramm pro Tagesdosis, nachdem die EFSA die tolerierbare Gesamtaufnahme (UL) auf 255 Mikrogramm pro Tag herabgesetzt hatte (BfR Selen 2023).
Über die Ernährung liefern verschiedene Lebensmittel relevante Mengen der beiden Kofaktoren:
Zink-Quellen: Rindfleisch, Kürbiskerne, Haferflocken, Linsen und Kichererbsen, Käse (insbesondere Hartkäse), Weizenkeime.
Selen-Quellen: Paranüsse (ausgesprochen hohe Gehalte), Thunfisch, Kabeljau, Hühnerei, Steinpilze, Vollkornprodukte aus Selen-reichen Anbaugebieten.
Der Verbraucher-Trend zu isolierten Testosteron-Boostern wird von unabhängiger Seite kritisch gesehen. Die Verbraucherzentrale weist bei Tribulus-basierten Präparaten darauf hin, dass für die beworbene Wirkung keine belastbare Evidenz vorliegt und in Analysen mehrfach unerlaubt zugesetzte Hormone gefunden wurden. Ähnlich ordnet die Verbraucherzentrale D-Asparaginsäure als Testosteron-Zutat kritisch ein. Stiftung Warentest kam 2023 in einem Test von 17 Männer-Nahrungsergänzungsmitteln zu dem Ergebnis, dass die geprüften Produkte "bestenfalls überflüssig, schlimmstenfalls riskant" seien (Bericht Pharmazeutische Zeitung). Der öffentlich-rechtliche Sender ZDFheute berichtet 2024 begleitend über den anhaltenden Markt-Boom und warnt vor gesundheitlichen Risiken schlecht regulierter Produkte.
Häufige Fragen
Was ist die HPG-Achse?
Die HPG-Achse (hypothalamisch-hypophysär-gonadale Achse) ist das dreistufige hormonelle Regelsystem, das die Testosteronbildung im Mann steuert. Der Hypothalamus setzt GnRH frei, die Hypophyse antwortet mit LH und FSH, und die Hoden bilden Testosteron; das Hormon wirkt über negative Rückkopplung auf die beiden oberen Ebenen zurück. Grundlagenkontext liefert die Fachreferenz Amboss Sexualhormone.
Welche Rolle spielt Cholesterin bei der Testosteronbildung?
Cholesterin ist der biochemische Ausgangsstoff der Testosteronbildung und liefert das Kohlenstoffgerüst für alle Steroidhormone. In den Mitochondrien der Leydig-Zellen wird Cholesterin durch das Enzym CYP11A1 zu Pregnenolon umgesetzt, das über mehrere Zwischenschritte zu Testosteron weiterverarbeitet wird. Der geschwindigkeitsbestimmende Schritt ist der StAR-vermittelte Cholesterin-Import in die innere Mitochondrienmembran.
Kann man die LH-Ausschüttung beeinflussen?
Die LH-Ausschüttung folgt einem tagesrhythmischen, pulsatilen Muster, das im gesunden Zustand vor allem durch Schlaf und altersabhängige Reifung des GnRH-Puls-Generators bestimmt wird. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sind ausreichender Schlaf, regelmäßiger Kraftsport und eine gedeckte Zufuhr von Cholesterin und Zink als Basisbausteine der Steroidsynthese relevant; für isolierte "LH-Booster"-Präparate liegt laut Verbraucherzentrale keine belastbare Evidenz vor.
Was sind Leydig-Zellen genau?
Leydig-Zellen sind interstitielle Zwischenzellen im Bindegewebe der Hoden, die zwischen den Samenkanälchen liegen und die endokrine Funktion des Hodens tragen. Ein erwachsener Mann verfügt über rund 500 Millionen dieser Zellen; sie exprimieren an ihrer Oberfläche LH-Rezeptoren und starten nach LH-Bindung die Testosteronbildung aus Cholesterin.
Warum ist der morgendliche Testosteronwert höher als der abendliche?
Der morgendliche Testosteronwert liegt beim jungen Mann höher, weil die pulsatile LH-Ausschüttung nachts und in den frühen Morgenstunden ihren Peak erreicht. Ärzte messen den Testosteronspiegel deshalb typischerweise vor 10:00 Uhr; im Alter flacht dieser Rhythmus ab, wie eine Studie im Journal of Andrology (1991) belegt.
Gibt es methodisch belastbare Studien zur Wirkung von Zink auf den Testosteronspiegel?
Die Wirkung von Zink auf den Erhalt eines normalen Testosteronspiegels ist von der EFSA im Jahr 2010 (Claim-ID 301) positiv bewertet und in die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 aufgenommen worden. Die Datenlage stützt sich auf mehrere Studien zur Zink-Depletion und Repletion; für einen zusätzlichen Anstieg über den Normalbereich hinaus liegt bei gesunder Zink-Versorgung keine belastbare Evidenz vor.
Wie ist der Zusammenhang zwischen Stress und Testosteron?
Chronischer psychogener Stress kann die Testosteronbildung senken, indem die HPA-Achse (Nebennieren-Cortisol-Achse) die HPG-Achse zentral hemmt. Eine 2026 im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism publizierte Übersichtsarbeit (Stress-associated testosterone suppression) beschreibt diesen Mechanismus als klinisch relevant und weitgehend reversibel; tierexperimentelle Belege liefert eine Studie an Macaques (2021).
Erstellt von der Redaktion des serotalin Wissensblog. Für Pflanzenstoffe ohne EU-Health-Claim gilt der Transparenzhinweis: Für diese Inhaltsstoffe sind in der EU derzeit keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen.